Nachhaltiges Unternehmensverhalten in Zeiten des Trumpismus
Image by Nattanan Kanchanaprat from Pixabay – Text von Claus Daub
Als Donald Trump just an jenem Tag, an dem dieser Blogbeitrag entstand, das aus seiner Sicht grösste und schönste Gesetz aller Zeiten unterschrieb, das die Menschen der USA in ein goldenes Zeitalter führen soll, hatte er den Zenit seiner Macht erreicht. Dies wird unter anderen all jenen gefallen, die vor den Kassandrarufen der Klimawissenschaft immer schon die Ohren verschlossen haben und die konkreten und wissenschaftlich sorgsam begründeten Prognosen zum Klimawandel für Humbug halten. So wie er. Sie verehren ihn nicht zuletzt auch deshalb, weil er seinen Überzeugungen hat Taten folgen lassen und seit seinem Amtsantritt einen Kreuzzug führt gegen all das, was radikal nationalkonservativen und neoliberalen Kräften schon immer ein Dorn im Auge war.

Unternehmen – auch in Europa – verfolgen diese Entwicklungen nicht nur mit der gebotenen Skepsis, sie fühlen sich bisweilen auch gezwungen, auf die unverhohlen ausgesprochenen Drohungen und Aufforderungen zum radikalen Kurswechsel zu reagieren und ihre Strategien an die neuen Bedingungen anzupassen. Auf diese Weise sind bereits in etlichen Unternehmen einige noch bis vor kurzem als strategisch höchst relevant eingeschätzte und die Nachhaltigkeitsverantwortung unterstreichende Strategien still und heimlich einkassiert worden. Gender und Diversity – gestern noch Programm, heute bereits Geschichte. Wer würde es den Unternehmen verdenken wollen, schliesslich ist die USA für viele ein grosser und wichtiger Markt. Und letztlich leben wir alle im Kapitalismus, da kann man sich, so die landläufige Meinung, Nachhaltigkeit, Diversity, Kreislaufwirtschaft oder soziale Wohltaten nur leisten, wenn es sich rechnet. Und wenn grosse Unternehmen derart rasch und devot klein beigeben, fragen sich natürlich zunehmend die kleinen und mittelständischen, ob es sich überhaupt noch lohnt, eine Nachhaltigkeitsstrategie zu verfolgen und umzusetzen.
War es das also mit diesen Themen? Sind sie von der Geschichte eingeholt worden? Hat sich der Wind gedreht und wird ab jetzt wieder gewirtschaftet wie in den Hochzeiten des Neoliberalismus? Wohl kaum.
Denn das Klima schert sich weder um Politik und Gesetze noch um Unternehmensstrategien. Es verändert sich – und zwar je nach Menge an Treibhausgasen, die der Mensch durch seine Aktivitäten in die Atmosphäre freisetzt, schneller oder langsamer. Und mit dem Wandel gehen konkrete Konsequenzen einher, von steigenden Temperaturen über zunehmende Extremwetterereignisse bis hin zu einer bedrohlichen Reduktion der Biodiversität. Der Mensch kann dieser Klimakrise engagiert und proaktiv entgegenwirken – dann werden ihre Folgen geringere Ausmasse annehmen. Oder er stellt sich auf den Standpunkt, dass er schon genügend getan habe und sich alle darüber hinaus gehenden Anstrengungen selbst nicht zumuten möchte – dann wird sie gravierendere Folgen zeitigen.
Was können und sollen Unternehmen aus diesen Erkenntnissen mitnehmen? Nun, aktuell beobachten wir nicht nur in den USA, sondern auch in Europa eine Reduktion der politischen Anstrengungen um eine Eindämmung der Krise.- Dies wird zwangsläufig zu deren Verschärfung führen. Bereits glaubt kaum eine ernstzunehmende Person aus der Klimaforschung mehr an die Möglichkeit, das in Paris 2015 vereinbarte Ziel einer Begrenzung der Erderwärmung bis im Jahr 2100 auf 1,5 Grad Celsius noch zu erreichen. Und auch das 2-Grad-Ziel erscheint beim heutigen Stand des Wissens und der Prognosen unrealistisch. Damit werden die Kosten einerseits für Klimaanpassungsstrategien und andererseits für die Beseitigung der Klimafolgeschäden schneller anwachsen und höher ausfallen. Und wir alle werden sie bezahlen müssen.
Unternehmen können und sollten sich auf dieses gar nicht so weit entfernt liegende Zukunftsszenario einstellen und ihre Strategien entsprechend ausrichten. Dies betrifft zum einen die frühzeitige, proaktive Anpassung an allfällige Regularien und Gesetze den Klimaschutz und die Nachhaltigkeit betreffend. Denn je weniger die Politik heute zustande bringt und reguliert, desto mehr wird sie dies in Zukunft tun müssen, um die Menschen vor den zunehmend negativen Konsequenzen ihrer unzureichenden Regulierungen schützen zu können. Somit trägt Donald Trump – freilich ohne es zu wollen – mit seiner Politik dazu bei, dass es künftig zu weiterreichenden und härteren Regulierungen kommen wird, nein, wird kommen müssen. Unternehmen sollten sich dessen bewusst sein und vorausschauend dafür sorgen, dass sie darauf vorbereitet sind und sich strategische Wettbewerbsvorteile verschaffen.
Zum anderen können und müssen sich Unternehmen darauf einstellen, dass aus den heraufziehenden Katastrophen – so bitter das klingen mag – neue, attraktive Geschäftsmodelle und Marktchancen erwachsen. Wenn heute absehbar ist, dass bestimmte Materialien immer knapper und teurer werden, gewinnen Geschäftsmodelle wie Product-as-a-Service (PaaS), bei denen Produkte nicht verkauft, sondern als Dienstleistung angeboten werden, zunehmend an Bedeutung. Wenn im Zuge des Zwangs, seine Lieferketten auf unmenschliche Praktiken zu durchforsten und diese abzustellen, künftig transparentere Lieferketten entstehen, kann man sich auf diese besser verlassen und reduziert daraus allfällig erwachsende Risiken. Und wenn die Menschen in Städten unter einer zunehmenden und mancherorts unerträglichen Hitze leiden, werden Produkte und Dienstleistungen, die zu einer Minderung dieser Auswirkungen beitragen, zunehmend Konjunktur haben.
Das Lauffenmühle-Areal wird ein Ort sein, an dem derlei Themen offen und transparent diskutiert werden sollen. Kleine und mittlere Unternehmen, die sich dort ansiedeln werden, sollen auf Gleichgesinnte treffen, die den Trumpisten und Anti-Klimakrisen-Aktivisten dieser Welt widerstehen und konsequent ihre Verantwortung wahrnehmen. Sie werden dabei nicht alleine gelassen, sondern bekommen die richtigen Argumente und Werkzeuge an die Hand, mit denen sie zur Eindämmung der Klimakrise beitragen und gleichzeitig erfolgreich wirtschaften können.