Ein Blick zurück: Geschichten aus der Lauffenmühle

Ein Blick zurück: Geschichten aus der Lauffenmühle vor dem kommenden Rückbau im Frühling

Mehr als ein Jahrhundert lang gehörte das rhythmische Arbeiten der Maschinen zum Alltag in der Lauffenmühle als Unternehmen der Textilveredlung. Von 1899 bis 2019 wurde hier produziert, gearbeitet und Industriegeschichte geschrieben. Über Generationen hinweg prägte das Areal den heutigen Ortsteil Brombach – wirtschaftlich, städtebaulich und im Leben vieler Menschen.

Bevor im Frühjahr der Rückbau auf dem Gelände beginnt, lohnt sich deshalb noch einmal ein Blick zurück. Ein Blick auf einen Ort voller Erinnerungen und Geschichten.

Seit der Schließung des Textilbetriebs im Jahr 2019 hat sich das Gelände sichtbar verändert. Die großen Textilmaschinen, die einst das Herz der Produktion bildeten, wurden in den Jahren danach Stück für Stück abgebaut und verkauft. Heute laufen viele dieser Maschinen an anderen Orten der Welt wieder – ein Stück Lauffenmühle arbeitet damit gewissermaßen global weiter.

Zurück geblieben sind Spuren einer industriellen Vergangenheit. In manchen Hallen erzählen nun Graffiti von der Zeit nach der Schließung – vergängliche Kunstwerke, Momentaufnahmen des Areals im Wandel. Mit dem Rückbau werden sie verschwinden. Auch das gehört zur Geschichte dieses Ortes: Selbst das Schöne ist manchmal nur für einen Augenblick da.

Manches ist auch schon nicht mehr da: der ehemalige Werkverkauf, das Casino und ein paar Werkstätten. Sie mussten schon früh nach dem Erwerb 2020 durch die Stadt Lörrach wegen Baufälligkeit zurückgebaut werden.

Viele interessierte Menschen nutzten die Gelegenheit, das Gelände noch einmal zu besuchen. Bei Führungen kamen ehemalige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gerne zurück an ihre früheren Arbeitsplätze – oft gemeinsam mit Familienangehörigen. Dabei entstanden Gespräche und Erinnerungen an den Arbeitsalltag: an den Lärm der Maschinen in den Hallen, an warme Produktionsräume und an die Herausforderungen der letzten Jahre, als Dächer wohl nicht mehr überall dicht waren und Maschinen teilweise mit Stoffplanen vor Regen geschützt werden mussten. Durch die Insolvenzen war immer weniger Geld für Investitionen da.

Einsätze der Feuerwehr gehörten in dieser Zeit immer wieder dazu – wegen Brandgefahr oder kleinerer Brandherde auf dem großen Gelände. Die Werksgeräusche gehörten zum Alltag vieler Nachbarn des Areals.

Einige Orte auf dem Areal erzählen ganz eigene Geschichten. Im ehemaligen Bürogebäude steht noch immer ein alter, leerer Tresor – so schwer, dass ihn niemand mehr bewegt. Ehemalige Mitarbeiter berichten schmunzelnd, dass dort früher angeblich Disketten gelagert wurden statt Bargeld oder anderer Wertsachen. Ob das wirklich so war, weiß heute niemand mehr so genau.

Trotz des Rückbaus bleiben wichtige Teile der Lauffenmühle erhalten. Mehrere markante Gebäude werden bewusst bewahrt, darunter die sogenannte Efeuhalle, die Elektrowerkstätten, das alte Kesselhaus sowie das ehemalige Verwaltungsgebäude und der typische Kaminschlot mit dem weithin sichtbaren Lauffenmühle Logo. Sie sind identitätsstiftende Zeugnisse der Industriegeschichte des Areals.

 
Foto Juri Junkov, www.junkov.com

Auch die Sheddächer bleiben als prägendes Element in einigen Bereichen erhalten. Über Jahrzehnte sorgten sie für das charakteristische Licht in den Produktionshallen – heute stehen sie für die Industriellarchitektur des Standorts. Das helle Nordlicht war der Grund, warum die Sheet gen Norden ausgerichtet waren.Bei diesem Licht konnten die Farben am besten gesehen werden. 

Ein weiteres Relikt der Industriegeschichte sind die alten Eisenbahnschienen, die früher den Anschluss des Areals an die vorbeiführenden Gleise der Wiesentalbahn ermöglichten. Sie markierten die einstige Zufahrt für Waren und Materialien zur Lauffenmühle. Eröffnet wurde die Bahnlinie 1862; sie war nur eingleisig und wurde als Strecke Basel – Lörrach – Schopfheim als Privatbahn gebaut wegen der starken Wachstumsdynamik vor allem in der Textilindustrie.

Das alte Kesselhaus erzählt von einem anderen Zeitalter. Hier wurde früher mit Kohle, später mit Gas und Erdöl Energie erzeugt – ein Zeugnis der fossilen Industriezeit, die über Jahrzehnte den Betrieb der Textilproduktion ermöglichte.

Gerade dieser Ort steht heute sinnbildlich für den Wandel: Wo einst fossile Energie die Maschinen antrieb, soll künftig das klimaneutrale Gewerbegebiet in Holzbauweise entstehen. Das ehemalige Kesselhaus wird damit zu einem stillen Zeugen des Übergangs – vom Industriezeitalter der fossilen Energie hin zu einer Zukunft mit erneuerbaren Energien und ressourceneffizientem Wirtschaften.

Weithin sichtbar bleibt auch der rote Kamin mit dem Lauffenmühle-Logo. Er ist eines der bekanntesten Wahrzeichen des Areals. Heute trägt er bereits Mobilfunkantennen – und verbindet damit symbolisch die industrielle Vergangenheit des Standorts mit moderner Infrastruktur und Zukunftstechnologie.

Gemeinsam mit weiteren markanten Gebäuden bildet er eine sichtbare Verbindungslinie zwischen Geschichte und Zukunft des Areals.

So steht die Lauffenmühle heute an einem besonderen Punkt ihrer Geschichte: zwischen Erinnerung und Aufbruch. Die Vergangenheit bleibt sichtbar – in Gebäuden, Spuren und Geschichten.

Und genau deshalb bleibt die Lauffenmühle auch künftig ein integraler Bestandteil vom Ortsteil Brombach und seiner Historie.

Bu. J.

Ansprechpartner

Burkhard Jorg
Projektleiter
07621 / 415 523
lauffenmuehle@loerrach.de